Müller: "Wir müssen neu teilen lernen"

Bundesminister zu Besuch in der Jugendburg

Zwischenstopp am Info-Stand: Minister Gerd Müller (links) und CDU-Parlamentarier Johannes Röring lassen sich von Maria und Udo Lohoff über die Arbeit im
Zwischenstopp am Info-Stand: Minister Gerd Müller (links) und CDU-Parlamentarier Johannes Röring lassen sich von Maria und Udo Lohoff über die Arbeit im "Aktionskreis Pater Beda" informieren. Foto: Peter Berger
Entwicklungshilfe-Minister Gerd Müller war zu einem Kurzbesuch in der Jugendburg. Vor Ehrenamtlichen, die sich in Eine-Welt-Gruppen und Hilfsprojekten einsetzen, skizzierte Müller, worauf es seiner Meinung nach in einer globalisierten Welt ankommt.

Gemen. Sie verkauften nach den Sonntagsgottesdiensten fair gehandelten Kaffee in Zeiten, als es das Wort „Fairtrade" noch gar nicht gab. Seit Jahrzehnten leisten sie Aufbauarbeit in Schwellen- und Entwicklungsländern, lindern Not und geben Hoffnung: Ehrenamtliche der Eine-Welt-Gruppen und vieler weiterer Projekte aus den Gemeinden des Bistums schaffen ein Bewusstsein für wahrlich globale Probleme – und wie sie zumindest punktuell gelöst werden können. Am Dienstag (11. Oktober) erhielten sie in der Jugendburg dafür Lob und Aufmunterung von prominenter politischer Stelle: „Machen Sie weiter so", sagte Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. „Sie sind Pioniere eines neuen Denkens", fügte er hinzu.

Prinzip Nachhaltigkeit

Das Prinzip Nachhaltigkeit möchte Müller auch in der Politik forcieren. „Wir müssen mehr Verantwortung im globalen Dorf übernehmen und neu teilen lernen." Europa könne sich nicht abschotten. Auslöser weltweiter Flüchtlingsströme seien Armut und Perspektivlosigkeit. Ihnen müsse vor Ort entgegengewirkt werden. „Der Schlüssel dazu lautet: Bildung", betonte Müller. Zuversichtlich äußerte sich der seit 2013 amtierende Minister darüber, dass trotz stark steigender Weltbevölkerung die ausreichende Ernährung aller Menschen sichergestellt werden könne. „Eine Welt ohne Hunger bis 2030 ist machbar." Der soeben veröffentlichte Welthunger-Index zeige, dass es Fortschritte gebe.
Bei dem Treffen, das auf Initiative des CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Röring zustande kam, waren etwa 70 Ehrenamtliche dabei. Im Foyer der Burg präsentierten sich stellvertretend drei Initiativen: der „Aktionskreis Pater Beda" (Bad Bentheim), die „Hilfe für Senegal" (Lüdinghausen) und ein Uganda-Projekt des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, dessen Präsident Röring ist. Stolz verwies Gudula Gotzes, (Vorsitzende der Hilfe für Senegal), darauf, dass am kommenden Wochenende die erste inklusive Realschule in ganz Westafrika für behinderte und nicht behinderte Schüler eröffnet werde. Möglich machten dies viele, viele Spender und Mithelfer. Zweimal im Jahr reisten Ehrenamtliche – auf eigene Kosten – nach Afrika.

"Vor Ihnen steht ein CSU-Politiker"

Anschließend im Rittersaal gab es auch Kritik zu hören: Mit Blick auf die Vermögenslage deutscher Bistümer könne die Kirche sich sicherlich noch mehr engagieren, so ein Teilnehmer. Entwicklungshilfe dürfe nicht von oben herab stattfinden, sondern auf Augenhöhe, sagte eine andere Ehrenamtliche. Ein weiterer Besucher griff das Stichwort Bildung auf und forderte, auch hierzulande die Bemühungen darum zu verstärken – insbesondere was das Wissen um die schlimmen Herstellungsbedingungen vieler alltäglicher Importwaren angehe.
Auf den im Publikum geäußerten Vorschlag einer „Fairtrade-Steuer" reagierte Müller mit der Idee einer „Globalisierungsabgabe". Massenweise würden auf dem Seeweg Konsumgüter eingeführt, nannte er ein Beispiel: „Es würde keinem wehtun, das Schiffsdiesel zu besteuern." Ob soziale Mindestanforderungen in der Textilproduktion," fairen statt freien Handel" mit Afrika, „Transparenzstandards für Multis", eine „Entkopplung von Verbrauch und Wachstum" oder ein „Paradigmenwechsel in der Wirtschafts- und Handelspolitik": Seine Pläne und Ideen schloss der Bundesminister mit der fast schon entschuldigend klingenden Feststellung: „Vor Ihnen steht ein CSU-Politiker."

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