"Schlüssel für europäische Schuldenkrise liegt in Berlin"

Finanzexperte Ralph Brinkhaus, MdB, zu Gast in der VR-Bank Westmünsterland in Borken

„Steigen wir heute in einen Ballon und schauen wir einmal auf Borken, das Westmünsterland und die Welt hinab. Was sehen wir?“ Mit dieser Frage leitete Ralph Brinkhaus am Montagabend, 22. Juli 2013, in der VR-Bank Westmünsterland in seinen Vortrag „Die europäische Schuldenkrise – Politik in stürmischen Zeiten“.
Auf Einladung des Vredener Bundestagsabgeordneten Johannes Röring war das Mitglied im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages von Gütersloh nach Borken gekommen. „Ralph Brinkhaus schafft es, komplexe Sachverhältnisse, die hinter der europäischen Schuldenkrise stecken, einfach und verständlich darzustellen“, stellte Röring ihn vor.

Im ersten Schritt erklärte Brinkhaus anschaulich, wie vernetzt die heutige Welt und Gesellschaft sei. Seien die Strukturen vor 20 Jahren vielleicht ähnlich gewesen, so zeichne vor allem die Veränderungsgeschwindigkeit die heutige Situation aus. Hinzu kommen die vielen Entscheidungsträger, die man unter einen Hut bekommen müsse. Der zweite Erklärungsansatz bezog sich konkret auf die Eurokrise. Wolle man national oder europäisch bzw. international Probleme lösen? Beide Wege seien kostspielig. Die andere Frage sei, ob die Schuldenkrise in Südeuropa durch Umverteilung oder Strukturreformen zu lösen sei.
Brinkhaus verdeutlichte, dass der Weg nur aus einer Balance von allem zu bestreiten sei. Eine Umverteilung sei ein probates Mittel um Zeit zu gewinnen und um Strukturreformen voranzutreiben.
Insgesamt zog er das Fazit, dass die Welt an sich aufgrund der starken Vernetzungen nicht wieder in einen stabilen Urzustand zu versetzen sei. Stattdessen müsse man die Instabilität managen bzw. die Balance halten. Die Konsequenz daraus sei, dass man mehr Kompetenz nach Europa verlagern und neue Regeln aufstellen müsse. Dabei könne es durchaus auch unbequem für Deutschland werden. Alle Beteiligten in Europa müssten Kompromisse eingehen. Es sei offensichtlich, „dass die ganze Geschichte eine Menge Geld kostet“, egal welchen Weg man einschlage. Rechnerisch gehe es um 600 Milliarden Euro. „Wir dürfen das aber nicht nur negativ betrachten, sondern müssen es vielmehr als Investition in Europa sehen“, so Brinkhaus.
In der anschließenden Diskussion mit den Gästen betonte er die bedeutende Rolle von Deutschland in der Welt. „Der Schlüssel für die europäische Schuldenkrise liegt in Berlin. Wir müssen mit dieser Verantwortung und dem Druck gut umgehen und dürfen nicht vergessen, die Welt auch mal aus den Augen der Griechen zu sehen.“ Er zog das Fazit, dass nur mit Angela Merkel der Weg sicher weitergehen könne. „Nehmen Sie die Situation in Europa als Trainingslager für die Welt. Wir stehen noch vor vielen weiteren Herausforderungen: Klimawandel, Migration, Ernährung in der Welt, Terror.“ Zum Schluss gab er den Anwesenden die positive Nachricht mit auf den Weg: „Deutschland ist in der Weltrangliste der Netzwerke unter den Top 10, wenn nicht unter den Top 3. Keiner kann mit den Entwicklungen so gut umgehen wie wir.“

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