Energiewende als Chance fürs Land

Umweltminister Peter Altmaier (CDU) besuchte die Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland

Foto: Josef Barnekamp
Foto: Josef Barnekamp
So viel Zeit nehmen sich Wahlkämpfer ganz selten: Rund drei Stunden lang hat sich am Dienstagnachmittag Umweltminister Peter Altmaier (CDU) auf Einladung des Vredener CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Röring auf dem Gelände der kreiseigenen Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland (EGW) in Gescher/Nordvelen umgeschaut.

Dort hat sich der 55-jährige Jurist Altmaier die EGW-Anlagen und das Entsorgungskonzept des Kreises Borken erklären lassen, hat mit Fachleuten aus der Region über Chancen und Herausforderungen der Energiewende für Kommunen gesprochen – und hat sich auch die Kritik von Gegnern der unweit des EGW-Geländes geplanten Groß-Biogasanlage von Bauernverband und RWE Innogy angehört. Ihnen sagte er, dass das Projekt „nicht in Berlin, sondern vor Ort“ genehmigt werde. Der Sprecher der Bürgerinitiative gegen die Anlage, Heinrich Boll-Dullhot, äußerte dabei die Befürchtung, dass das aus seiner Sicht „ökologisch und ökonomisch unsinnige“ Projekt durch Subventionen ans Laufen gebracht werden könne.
Im kleinen Kreise empfahl Altmaier, das „Gespräch mit den Protestierenden draußen“ zu suchen, lobte das Konzept aber auch als innovativen Beitrag, durch die Verarbeitung von Gülle Umwelt und Böden zu schonen und auch noch Energie zu produzieren. Gleichwohl machte Altmaier grundsätzlich deutlich, dass man bei der Umsetzung der Energiewende in Zukunft mehr darauf setzen müsse, auf den Staat als Geldgeber zu verzichten. „Wir haben keinen Spielraum, neue Milliarden-Töpfe zu öffnen“, sagte der Umweltminister. So sei es gut, wenn beispielsweise Solarstrom nicht mehr subventioniert ins Stromnetz eingespeist werde, sondern zum Eigenbedarf diene. Ein neues EEG-Gesetz, das diese Fragen aufgreift, soll 2014 fertig sein. Zudem, so Altmaier, müsse man sich stärker um Synergielösungen kümmern, wie das die EGW mit dem Zusammenspiel von Windrädern, Vergärungsanlagen, Fotovoltaik und Rohstoffverwertung am Standort Gescher/Nordvelen tue. Hier hatte sich Altmaier schon beim Rundgang durchs Kompostwerk angetan gezeigt: „Mein lieber Scholli“, sagte der Saarländer angesichts des Aufwandes, mit dem bei der EGW Müll getrennt wird. „Ich bin nachhaltig beeindruckt.“

Ländlichen Regionen wie dem Kreis Borken schrieb der Umweltminister ins Stammbuch, dass sie „noch mehr als bisher Träger der Energiewende“ sein würden. Zum einen werde hier – anders als früher – auf dem Land per Wind, Strom oder Biogas die für die Industrie nötige Energie produziert, zum anderen böten sich den Firmen vielfältige Chancen, mit innovativer Technik Geld zu verdienen. Die deutsche Energiewende liefere „das Modell für andere Regionen der Welt.“
Zum Thema Fracking, der umstrittenen Suche nach Erdgas im Boden, sagte Altmaier, dass er nicht glaube, „dass Fracking vertretbar in Deutschland durchgeführt werden kann“.

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