Politiker aus nächster Nähe

Bundestagsabgeordneter Johannes Röring Gast am Stadtlohner Gymnasium

Foto: Lydia Klehn
Foto: Lydia Klehn
 Eine lange Vorbereitung ging dem Besuch voraus - und das bemerkte auch Johannes Röring. Der Bundestagsabgeordnete stand den Schülern der Klasse 9f des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) gestern Rede und Antwort. Denn die Jugendlichen hatten ihn zu einem Gespräch zum Thema Europa geladen.

 "Ich konnte deutlich merken, dass die Schüler nicht nur etwas auswendig gelernt haben", so Röring nach den zwei Schulstunden, die er mit der Klasse verbrachte. "Sie haben wirklich gute Fragen gestellt." Bereits seit einigen Wochen standen Europa und die Europäische Union im Fokus des Politikunterrichts von Lehrerin Gudula Hamachers-Dräger. In kleinen Gruppen erarbeiteten die Schüler Themen und erstellten Plakate, die sie gestern präsentierten. Dabei ging es zum Beispiel um das Schengener Abkommen, den möglichen Türkeibeitritt oder gar die Währungsunion.

Bevor der Politiker des Borkener Wahlkreises mit den Schülern etwas tiefer in die Materie eintauchte, wurde es zunächst etwas persönlicher. Denn die Jugendlichen interessierten sich brennend für das Leben rund um den gebürtigen Vredener. Haben Sie in Berlin eine Wohnung? Fahren Sie mit einer Limousine zur Arbeit? Siezen Sie die Kanzlerin? Was müssen Sie anziehen? So lauteten einige der Fragen - und Röring antwortete gerne: Ja, er habe in Berlin eine Wohnung, verbringe aber auch viel Zeit in seiner Heimat Vreden. Zur Arbeit laufe er entweder zu Fuß oder lasse sich von einem Fahrdienst abholen. Der Umgangston mit Angela Merkel sei eher formell. "Mit anderen Politikern bin ich aber per Du. Und üblich sind im Bundestag Schlips und Kragen", so Röring - im Gegensatz zu seiner früheren legeren Kleidung als Landwirt hier in der Region.

Anschließend wurde der Ton etwas ernster. Rund um ihre vorangegangene Projektarbeit interessierten sich die Schüler für die Meinung ihres Gastes zu oft diskutierten Themen. "Wie bewerten Sie einen möglichen Türkei-Beitritt in die EU", hieß es etwa. Der Abgeordnete nahm sich jeweils für die Beantwortung viel Zeit, stellte für die Jugendlichen viele Zusammenhänge her und beleuchtete die Themen von allen Seiten. "Ich halte es nicht für notwendig, dass jedes Land, das geografisch in Frage käme, auch Mitglied der Europäischen Union werden muss. Vor allem, da die Türkei nicht alle Kriterien erfüllt, wenn man zum Beispiel an die Glaubensfreiheit denkt", so Röring. Er halte es aber dennoch für sinnvoll, die Türkei nah an Europa zu halten.

Zudem habe man mit den jetzigen 28 Staaten schon genug zu tun. "Man sollte das, was man hat, vertiefen und leistungsfähiger machen. Es wird außerdem noch dauern, die Lebensverhältnisse der bisherigen Staaten aneinander anzupassen."

Ähnlich ausführlich beantwortete er Fragen zur Flüchtlingspolitik, NSA-Spähaffäre, zum Verhältnis zu Russland, zur Ukraine-Krise und zum Klimawandel.

So konnten am Ende zwar mangels Zeit nicht alle, aber doch einige Fragen geklärt werden - und selbst Lehrerin Gudula Hamachers-Dräger war von dem Einsatz ihrer Schüler begeistert: "Da kamen Fragen, die wir im Unterricht gar nicht besprochen haben. Das zeigt, dass sie sich auch Zuhause Gedanken gemacht haben." Auch Johannes Röring, für den der Besuch in seiner Heimatregion sowieso etwas Besonderes war, sah das ähnlich: "Die Jugendlichen waren neugierig. Das freut mich natürlich."

Nachdem sie lange auf diesen Tag hingearbeitet hatten, zogen auch die Schüler ein positives Fazit - insbesondere von dem Politiker selber, wie der 15-jährige Marvin Hornig: "Ich dachte, dass er vielleicht einige Details nicht verrät. Aber er war sehr aufgeschlossen." Sein Klassenkamerad Robin Schley ergänzt: "Vor allem, dass wir viel Persönliches aus seinem Leben erfahren haben un der so ausführlich geantwortet hat, fand ich gut."

Nach oben